STATION 1
Text anhören
Christoph Bernhard von Galen ist sowohl Bischof als auch Fürst. Als Bischof ist er oberster Seelsorger der Katholiken im Bistum Münster. Als absolutistischer Herrscher regiert er ein Fürstentum, das Hochstift Münster. Das Hochstift teilt sich in das südliche Oberstift – im Wesentlichen das heutige Münsterland – und das nördliche Niederstift um Meppen, Vechta und Cloppenburg. Ober- und Niederstift sind über einen schmalen Korridor entlang der Ems verbunden.
Mit der Wahl zum Fürstbischof erhält Christoph Bernhard von Galen ein kirchliches und ein weltliches Amt:
Als Bischof ist er seelsorgerischer Leiter der Katholiken im Bistum Münster. Das Bistum gehört damals wie heute zur Kirchenprovinz Köln, die dem Kölner Erzbischof unterstellt ist. Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche ist der Papst in Rom.
Als Fürst ist Christoph Bernhard gleichzeitig oberster Landesherr über ein eigenes Territorium. Sein Fürstentum ist das Hochstift Münster. Herzöge und Fürsten gehören zu den ranghöchsten Adeligen. Über ihnen, an der Spitze des Reiches, steht der Kaiser als oberste Autorität. Allerdings haben die Kaiser im Laufe der Jahrhunderte viel von ihrer einstigen Macht eingebüßt. Aus dem großen und geeinten Reich Karls des Großen ist ein Flickenteppich vieler kleiner, quasi selbständiger Territorien geworden, deren Regenten in erster Linie ihre eigenen Interessen verfolgen. Sie bekriegen sich untereinander und wechseln oft ihre Allianzen. Da macht auch Christoph Bernhard keine Ausnahme.
Der Widerspruch zwischen Bischofsamt und Kriegsherr auf die Spitze getrieben in diesem niederländischen Verhöhnungsbild. (Rijksmuseum Amsterdam)
Das Fürstbistum Münster gliedert sich in das nördliche Nieder- und das südliche Oberstift. Zu Beginn seiner Herrschaft ist Christoph Bernhard zwar Landesherr im Niederstift, kirchenrechtlich gehören die dort gelegenen Ämter Emsland, Cloppenburg und Vechta jedoch zum Bistum Osnabrück. Hier sitzt seit 1662 ein Lutheraner auf dem Bischofsstuhl. Damit sich im Niederstift der katholische Glaube durchsetzen kann, kauft Christoph Bernhard 1667 die geistliche Oberhoheit über das Niederstift. Im Westen des Hochstifts geht es weniger friedlich zu. Hier sind im Laufe der Zeit dem Fürstbistum Gebiete verloren gegangen, darunter die Herrschaft Borculo. Zweimal überzieht Christoph Bernhard deswegen die Niederlande mit Krieg. Darauf werden wir in weiteren Stationen des Citadellenwegs zurückkommen.
Fürstbistum Münster zur Zeit Christoph
Bernhard von Galens
Anspruch Christoph Bernhards auf
die Herrschaft Borculo
Am ehemaligen Coesfelder Jesuitenkolleg („Stadtschloss“, Bernhard von Galen-Straße 10) finden wir das Wappen Christoph Bernhards von Galen. Es zeigt einen in sechs Felder geteilten Schild, dem zentral in einem Kranzornament drei so genannte Wolfsangeln aus dem Wappen der Familie von Galen aufliegen. Die sechs umgebenden Felder zeigen
Hinter dem Schild schauen oben rechts und links Bischofsstab und Schwert heraus - als geistliche bzw. weltliche Zeichen der Macht. Unter dem Wappen die Buchstaben C.B.E.M. (Christoph Bernhard Episcopus Monasteriensis – Christoph Bernhard, Bischof von Münster).
Die Darstellung des Wappens Christoph Bernhards ist nicht immer gleich. So findet sich am Portal der Coesfelder Jesuitenkirche (heute evangelische Kirche am Markt) ein Wappen, dem oben ein so genannter Fürstenhut aufliegt, der den Rang des Landesherrn zusätzlich darstellt.
Fürstbischöfliches Wappen am Jesuitenkolleg in Coesfeld