STATION 1
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Christoph Bernhard von Galen in einem Bild Wolfgang Heimbachs (Public Domain). Original im LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
Die ersten Jahre seiner Herrschaft nehmen Christoph Bernhard die Folgen des Dreißigjährigen Kriegs in Anspruch. Aufgrund der fast ein Jahrzehnt währenden Auseinandersetzung mit seiner Bischofsstadt Münster macht er Coesfeld zu seiner Residenz und errichtet hier die Citadelle Ludgerusburg. Zug um Zug baut er seine Macht aus. Von Coesfeld aus zieht er zweimal gegen die Niederlande in den Krieg. Er hofft, die ehemals zu Münster gehörende Herrschaft Borculo zurückzuerobern.
Im Jahr nach seiner Wahl erhält Christoph Bernhard von Galen kurz nacheinander die Priester- und die Bischofsweihe. Sein unterlegener Gegenkandidat Mallinckrodt opponiert noch jahrelang gegen den Fürstbischof, bis dieser ihn 1657 lebenslang einsperren lässt. Anders als seine Vorgänger, die sich teilweise nur wenig mit dem Fürstbistum beschäftigten, kümmert sich von Galen ausschließlich um die Belange des Hochstifts.
In den ersten zehn Jahren als Fürstbischof widmet sich Christoph Bernhard hauptsächlich innenpolitischen und kirchlichen Themen. Es gilt die Wunden des Dreißigjährigen Kriegs zu heilen. Die Gerichtsbarkeit muss wiederhergestellt, das religiöse Leben belebt und zerstörte Kirchen neu aufgebaut werden. Von Galen beseitigt das in der Priesterschaft weitverbreitete Zusammenleben mit einer Frau und sorgte mit verschiedenen Maßnahmen und Zusammenkünften für eine reformeifrige Geistlichkeit.
Außerdem sind nach dem Krieg in einigen Städten immer noch fremde Truppen stationiert. Die Hessen halten Coesfeld, die niederländischen Oranier Bevergern und die Schweden Vechta besetzt. Mit viel Geld und politischem Geschick bringt der Bischof diese Städte wieder unter seine Kontrolle.
Christoph Bernhard von Galen, Reinier Vinkeles nach einer Zeichnung von Jacobus Buys (1788, Rijksmuseum Amsterdam)
Mit seinem absolutistischen Anspruch gerät Christoph Bernhard schon bald in Konflikt mit den Landständen (Domkapitel, Ritterschaft und Städte), deren Macht er bricht. Mit seiner nach mehr Unabhängigkeit strebenden Bischofsstadt Münster steht er jahrelang im Konflikt. Er macht daher Coesfeld zu seiner Residenzstadt, wo er in rund vierjähriger Bauzeit die Citadelle Ludgerusburg errichten lässt. 1654 stockt er sein stehendes Heer auf 3000 Mann auf. In diesem Jahr kommt es zu einer ersten Auseinandersetzung mit der Stadt Münster. Zweimal belagert der Fürstbischof die Stadt, bis sich diese ihm 1661 endlich unterwirft. 1667 erwirbt von Galen vom Hochstift Osnabrück, wo ein Lutheraner auf dem Bischofsstuhl sitzt, die geistliche Zuständigkeit über das Niederstift. Damit kann der katholische Glaube dort endgültig Fuß fassen. Ein Erfolg ist auch, dass er den Grafen von Bentheim-Steinfurt vom Übertritt zum katholischen Glauben überzeugen kann.
Portret van Christophori Bernhardt von Galen, bisschop van Munster, Kupferstich von Adriaen Millaert, gedruckt und veröffentlicht von Gaspar de Hollander, Antwerpen, 1645 – 1668 (Rijksmuseum Amsterdam).
Nach dem Dreißigjährigen Krieg liegt der Nordwesten des Reiches im Schnittpunkt der Interessen Österreichs, Spaniens, Frankreichs, Englands, der Niederlande, Dänemarks, Schwedens und Brandenburg-Preußens. Hier versucht von Galen, in wechselnden Allianzen die Vorteile der Lage des Hochstifts auszunutzen, um den Katholizismus zu stärken, den Protestantismus zu bekämpfen und seinen Machtbereich auszubauen. Seine anfangs spärliche Militärmacht stockt er dafür enorm auf. Trotzdem ist er mehr kurzfristiger Taktiker als langfristiger Stratege. Egal ob es um Borculo im Westen, Ostfriesland und Wildeshausen im Norden oder Höxter im Osten ging, am Ende sind alle Zugewinne eher vorübergehender Natur. Besonders seine zwei Kriege gegen die Niederlande, die in demütigenden Friedensschlüssen für den Fürstbischof enden, führen zu hohen Schulden und lassen das Land verarmen.
Aus einer Verhöhnung des Fürstbischofs von Galen (ca. 1665) durch die Niederländer. Künstler unbekannt (Rijksmuseum Amsterdam)