STATION 1
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Zwar ist das Mittelalter lange vorbei, als Christoph Bernhard 1650 Fürstbischof von Münster wird. Es ist aber immer noch eine Zeit, in der wenige viel und sehr viele nichts haben. Das System begünstigt die Mächtigen. So schneidet der Fürstbischof die Strukturen seines Staates Zug um Zug auf sich zu und regiert am Ende als absolutistischer Alleinherrscher. Kennzeichnend für den Absolutismus sind sein stehendes Heer, die Entmachtung der ihn kontrollierenden Gremien und die Durchsetzung einer Staatsreligion.
Die Gesellschaftsordnung im Heiligen Römischen Reich ist das Feudalsystem. Das Land ist die Hauptquelle des Reichtums. Die Landbesitzer, in der Regel der Adel oder kirchliche Eigentümer, haben Macht und Kontrolle. Sie vergeben Land und Rechte als so genannte Lehen (von leihen, verleihen) an Vasallen wie Grafen oder Ritter im Austausch für militärische Dienste und Treue. Die Vasallen wiederum können einen Teil des erworbenen Landes an Untervasallen weiterverleihen.
In der Feudalgesellschaft steht der Kaiser als oberste Autorität formell an der Spitze der Lehensgeber. Das Reich ist im 17. Jahrhundert aber kein einheitliches Gebilde mehr, sondern es besteht aus einer Vielzahl mehr oder minder großer, selbständiger Fürstentümer, Grafschaften und Stadtstaaten. Unter diesen zählt das Hochstift Münster als größtes Fürstbistum zu den bedeutenderen.
Unter dem Kaiser bilden der Klerus, also die Angehörigen der Kirche, und der Adel die ersten beiden Stände. Zusammen machen sie nur etwa 2% der Bevölkerung aus. Den dritten Stand, der allein Steuern zahlt, bilden die abhängigen Bauern und die Bürger der Städte. Darunter gibt es noch eine soziale Unterschicht, bestehend aus Bettlern, Juden und Nichtsesshaften.
Die mittelalterliche Ständeordnung in der "Pronostacio" des Astrologen Johannes Lichtenberger, 1488
Politisch nehmen die Stände auf den regelmäßig einberufenen Landtagen Einfluss. Die Landtage sind von alters her ein Instrument zur Kontrolle und Einschränkung herrschaftlichen Handelns. Im Fürstbistum Münster sind Domkapitel, Ritterschaft und vierzehn Städte, darunter auch Coesfeld, als sogenannte Landstände bei den Versammlungen vertreten. Hier können sie Einfluss auf Landes- und Steuerpolitik sowie Verwaltungsfragen nehmen. Dem Adel und den Städten sind die Landtage darüber hinaus ein willkommenes Mittel zur Kommunikation untereinander.
Allerdings ist im ca. 200 000 Einwohner zählenden Fürstbistum Christoph Bernhard von Galen der unmittelbare Herrscher und zentrale politische Akteur. Er leitet die Verwaltung, steht der Justiz vor, organisiert das Heer und trifft die wichtigsten politischen Entscheidungen selbst. Die Autorität des Bistums vertritt er sowohl nach innen wie auch nach außen. Die Landstände werden von ihm, der zunehmend absolutistisch regiert, nach und nach entmachtet.
Das Fürstbistum Münster als Ständestaat zur Zeit Christoph Bernhards