STATION 1

VON GALENS ANDERE SEITE

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Christoph Bernhard von Galen ist nicht nur Kriegsherr, sondern als Bischof auch Seelsorger, dem die Katholiken im Bistum, aber auch jenseits der Grenze in den Niederlanden, sehr am Herzen liegen. Hier wird eine ganz andere Seite des kriegerischen Fürstbischofs sichtbar. Mit seiner Außenpolitik mag er gescheitert sein, aber nach Innen bewegt er so einiges im Fürstbistum. Wer ist von Galen und was bleibt von diesem widersprüchlichen Mann?

Der Reformator

Von Galen ist ein eifriger Verfechter der Katholischen Reform. Diese hat zum Ziel, die katholische Kirche vielschichtig zu verbessern, um sich den Kritikpunkten der Protestanten stellen zu können. Die in diesem Zusammenhang 1675 im Fürstbistum eingeführte allgemeine Schulpflicht ist in erster Linie zur Festigung des Glaubens gedacht. Kenntnisse in Lesen, Schreiben und Rechnen kommen den wirtschaftlichen Interessen der Bauern und Bürger zugute. Hexenwahn, Aberglaube und Wahrsagerei werden zurückgedrängt. Außerdem hofft von Galen, damit eine breitere Basis für Karrieren in Priester- und Beamtenschaft zu erreichen.

Als Christoph Bernhard am 19. September 1678 auf Schloss Ahaus stirbt, gibt es in seinem Fürstbistum Landschulen bis in die abgelegensten Bauerschaften. Er hat den Katholizismus stark im Fürstbistum verwurzelt. Seine vielen Kriege und sein großes Heer haben das Land jedoch verarmen lassen. So bleibt von Galen bis heute eine zwiespältige Figur und ein umstrittener Herrscher.

Jan Luyken (1698): Dood van Christoph Bernhard von Galen, bisschop van Münster, 1678 (Rijksmuseum Amsterdam, Ausschnitt).

PERSÖNLICHKEIT UND STIL

Christoph Bernhard von Galen erlebt in seiner Jugend den erfolgreichen französischen Absolutismus hautnah. So will er auch selbst ohne Einmischung von Städten und Adel regieren. Seinem autoritären Führungsstil und misstrauischen, teilweise ängstlichem Charakter entsprechend behält er selbst Kleinigkeiten in der Hand. Eingehende Briefe öffnet er zum Beispiel selbst. Er besitzt großes Verhandlungsgeschick, kann aber bei Verhandlungen auch ruppig werden. Mit den Vertretern seiner Landstände und von anderen Staaten geht er mitunter zu unbesonnen um. Freundlich, ja liebenswürdig zeigt er sich vor allem denen, die ihm nicht gefährlich werden. Im hohen Alter sagt man ihm zunehmenden Starrsinn nach. Das Verhältnis zu seinem Domkapitel, das ihn 1650 zum Fürstbischof gemacht hatte, verschlechtert sich schon bald nach seiner Wahl. Fast alle Zeitgenossen berichten von seiner großen Frömmigkeit, und dass er seine Priesterpflichten immer ernst genommen habe.

Von Galen gilt als zupackender, rastloser Typus, intelligent und sprachgewandt. Er ist mittelgroß, hat lebhafte Augen, rötliche Wangen und lange gelockte schwarze, später weiße Haare. Er bevorzugt einfache schwarze Kleidung. Frauen duldet er an seinem Hof nicht und empfängt sie nie alleine. Gerne gibt er für Offiziere und Diplomaten feuchtfröhliche Feste, scheint sich aber persönlich eher zurückgehalten zu haben. Er ist ein leidenschaftlicher Jäger, hat eine große Vorliebe für alles Militärische und findet größtes Gefallen am Kampfesgetümmel.

Während der zwölfjährigen Haft seines Vaters entwickelt Christoph Bernhard ein inniges Verhältnis zu seiner Mutter. Als sie 1658 stirbt, leidet er seelisch schwer unter ihrem Tod. In diesem Jahr erkrankt er schwer. Wir lesen von einem weiteren Leiden 1668 und einem Fußunfall 1674. 1670 lässt er sich zwei Brillen für die Nah- und Fernsicht anfertigen. 1678 erkrankt er nach längerem Unwohlsein im September stark, wozu möglicherweise auch die große Sommerhitze und sein Jagdeifer beitragen. Ruhig und gottergeben stirbt er auf Schloss Ahaus im Kreise von Verwandten und Personal.

Christiaan Lodewijk van Kesteren nach einem Druck von Christiaan Hagen: Kristoffel Bernard bisschop van Munster (Rijksmuseum Amsterdam, Ausschnitt)