STATION 3
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Im Jahre 1673 wird der junge Adelige Adam von der Kette aus Münster wegen Hochverrats verhaftet und im Rathauskeller mehrmals gefoltert. Zusammen mit dem Coesfelder Festungskommandanten Franz von Fißnack wird er wenig später auf dem Prinzipalmarkt enthauptet. Seine Leiche wird gevierteilt und an den Stadttoren ausgestellt. Weiter werden vier hochgestellte Personen in den Kerker der Coesfelder Citadelle verbracht (wahrscheinlich auf der Nordostseite der Kaserne). Einen von ihnen begnadigt Christoph Bernhard erst auf seinem Sterbebett 1678. Was war geschehen?
Das Jahr 1672: Den Kaiser in Wien erzürnt das Bündnis des münsterischen Fürstbischofs mit seinem Dauerrivalen Frankreich. Er lässt sogar Truppen gegen von Galen aufmarschieren und stimmt Attentatsplänen von Wiener Hofkreisen gegen Christoph Bernhard zu, um den Fürstbischof und seine Coesfelder Citadelle in die Hand zu bekommen. Die Idee stammt vermutlich von dem aus Groningen geflüchteten bischöflichen Rat Johann Schulenborg, der dem Fürstbischof zur Belagerung seiner Heimatstadt geraten hat und in Ungnade gefallen ist.
Ludwig XIV., König von Frankreich 1643–1715 (um 1670, Gemälde nach Claude Lefèbvre, Schloss Versailles)
Die münsterische Familie von der Kette hegt wegen einer alten Billerbecker Besitzstreitigkeit einen Groll gegen Christoph Bernhard von Galen. Der junge Adam von der Kette ist 1673 in Wien, erhält für das Komplott einen kaiserlichen Schutzbrief, reist nach Münster und verschwört sich mit hochgestellten Bürgern und Offizieren. Offenbar verspricht er denjenigen eine Belohnung, die den Fürstbischof tot oder lebendig ausliefern. Der Coesfelder Festungskommandant von Fißnack sagt zu, die Citadelle in kaiserliche Hand zu geben.
Der Autor Levin Schücking verfasste ein Drama „Adam von der Kette“ (ungedruckt, Aufführung in Münster 1837).
Leopold I., Kaiser des Hl. Römischen Reiches deutscher Nation 1658-1705. Gemälde von Benjam von Block (um 1672, Kunsthistorisches Museum, Wien)
Als Christoph Bernhard von den Plänen der hochrangigen Verschwörer, z. T. aus seiner engeren Umgebung, erfährt, gerät er in Panik. Immerhin hatte der Vorgänger des Kaisers sogar einmal erwogen, die geistlichen Fürstentümer aufzulösen. Viele Verschwörer werden sofort verhaftet, manche können fliehen. Die Sicherheitsvorkehrungen in den Festungen werden drastisch verstärkt, von Galen wechselt in einem Monat siebenmal seinen Aufenthaltsort. Vom Verhalten des Kaisers ist er tief bestürzt. Um seine Beziehung zum Kaiser aber nicht weiter zu beschädigen, lässt er keine Untersuchung zu, hält seine Soldaten von den vorrückenden kaiserlichen Truppen fern und beginnt 1674 eine Wiederannäherung. Das Domkapitel schickt ein Glückwunschschreiben an Christoph Bernhard. Es wird ein Dankfest gefeiert. Der Attentatsversuch wird bis in die Niederlande bekannt.
Titelblatt eines niederländischen Berichts (Amsterdam 1673, aus: H. Lahrkamp, Unter dem Krummstab, Münster 1999)