STATION 4

Die Gewölberuine

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Die Gewölberuine – ein Geheimnis?

Wir stehen vor einer unscheinbaren Gewölberuine, die aus Denkmalschutzgründen eingezäunt ist. Diese Ruine gab Anlass zu mancherlei Spekulation und auch die Grabungen im Jahre 2005 brachten keine Erkenntnisse über ihre Funktion.

Jetzt haben wir Sicherheit: 2023 entdeckt der Coesfelder Stadtarchivar Norbert Damberg das Protokoll einer Begehung des fürstbischöflichen Weinkellers vom 26. September 1678, durchgeführt nur eine Woche nach dem Tod des Fürstbischofs! Es scheint drei Gewölbe nebeneinander gegeben zu haben. Einige Stufen führen zum Weinkeller hinab. Der Keller wurde in den Wall hineingebaut und lag nicht im Residenzgebäude selbst, was durch die Ausgrabungen gestützt wird. Demnach führte aus den Schankräumen, die an das Speisezimmer im Obergeschoss des Residenzgebäudes angebaut waren, eine Außentreppe direkt zum Weinkeller.

Die Feinde Christoph Bernhards sagten ihm Trunksucht nach, was jedoch nicht zutrifft. Dass er aber für Offiziere und Diplomaten rauschende Feste mit sehr gutem Wein veranstaltete, ist mehrfach überliefert und an diesem Gebäudeteil mit Speisesaal, Ausschank bzw. Weinkeller und Küche baulich sichtbar. Eine „Party-Zone“?

Ausschnitt aus dem Grundriss des fürstbischöflichen Residenzgebäudes, Obergeschoss. Deutlich ist oben links ein Gebäudeausleger mit drei Räumen zu erkennen und davon abgehend eine Treppe. Die Beschriftung dort lautet: „Descende a la cave“, auf Deutsch „Abstieg zum [Wein-]Keller“ (NRW Landesarchiv, LWL-DLBW).

Die Grafik zeigt die Lage des Weinkellers im Erdwall hinter dem Residenzgebäude.

Zeichnung des Residenzgebäudes von Westen gesehen. Rechts der Gang mit Ausschank und Treppe hinab zu den Weinkellern (in den Wall eingelassene Gewölbe hier offen dargestellt, Zeichnung W. Steinem 2024)

Erste Seite des Protokolls der Weinkeller-Begehung vom 26.September 1678 (NRW Landesarchiv)

Letzte Seite des Protokolls der Weinkeller-Begehung vom 26.September 1678 (NRW Landesarchiv)

Die Gewölberuine der Ludgerusburg, Teil eines Weinkellers (2023, Foto: G. Veit)