STATION 6

De Galgenhueggel

De Galgenhueggel

De Galgenhueggel

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Aus: Natz Thier, Min Kinnerwunnerland, Coesfeld 1950

Der Galgenhügel

(Übersetzung von Dr. Norbert Nagel, 2024)

Es liegt da draußen vorm Stadttor
Eine Höhe, nicht weit ab von der Straße.
Du brauchst nicht lang‘ zu suchen.
Der Nebel, der weht übern Kamp,
der sitzt hier voll von Blut und Dampf.
Die Leute sagen: „‘s geht hier spuken.“

Wer hier geht nachts den Weg hinab,
der schlägt ein Kreuz als säß‘ ihm schon
der Teufel im Nacken.
Und weil ich die Sache nicht recht verstanden,
so wollt‘ ich auf’n Grund ihr geh‘n,
wollt‘ mir den Spuk mal packen.

Ich geh‘ dann auch voll‘ Mut und Stolz
mal abends spät durch’s kleine Holz.
Die Nachtigall hör‘ ich flöten.
Denk‘ an den Unverstand und Streit,
denk‘ an die „gute alte Zeit“,
an Brand und Blutvergießen.

Doch da auf einmal ‒ ‒ Was ist das?
‘ne Eule, die flattert übern Pfad.
Ich hör‘ ‘was durch das Duster.
Da geh‘n zwei um, das ist gewiss,
und wenn es mir auch ‘was gruselig ist,
den Atem halt‘ ich an und lausche.

Was haben die beiden nun wohl getan?
Warum müssen sie hier spuken geh‘n?
Haben sie die Leute betrogen? ‒ ‒
Da warf der Mond sein Licht herab. ‒ ‒
 ‒ Ein Junge sein‘m Mädchen ein Küsschen gab.
‒ Da war der Spuk verflogen.

Sprecher und Übersetzer des Gedichts: Dr. Norbert Nagel, Historiker und Sprachwissenschaftler (Foto: G. Seggebäing)