STATION 8

Die Armee von Galens

Die Armee von Galens

Die Armee von Galens

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Die Armee des Fürstbischofs

Von Galen hat bei seinem Amtsantritt eine Armee von nur 1500 Mann übernommen. Um die Stadt Münster in seine Gewalt zu bringen, äußere Kriege zu führen und als Bündnispartner attraktiv zu sein, verstärkt er seine Armee bis auf insgesamt 22.000 Mann. Das sind ca. 10% der Bevölkerung des Fürstbistums, damals eine ungewöhnlich hohe Zahl. Um seine teure Armee mit der berühmten Reiterei und Artillerie zu unterhalten, vermietet von Galen sie und erhält dafür einen finanziellen Ausgleich (Subsidien). Das ist damals ebenso üblich, wie in eroberten Gebieten Tribute einzutreiben. So vermeidet er auch, den eigenen Landtag, der den Staatshaushalt genehmigt, über das Ausmaß seiner Rüstungen zu informieren. Von 1670 bis 1678 bewilligt der Landtag dem Fürstbischof immerhin über 4 Mio. Taler. Zum Vergleich: Die Ausgaben für seine seit dem Juli 1651 in Coesfeld stationierten 1500 Soldaten belaufen sich jährlich auf nur 3600 Taler. Der Monatssold eines einfachen Soldaten beträgt damals einen halben Taler, der eines Hauptmannes 25 Taler.

Für Kriege locken Werber viele Abenteurer, Tagelöhner, Bauernsöhne oder Landstreicher an, damit sie für Geld (Sold) in den Krieg ziehen. Konfession und Nationalität sind unwichtig. Sie werden mit Trunk, Überredung und Gewalt geworben, obwohl von Galen keinen Zwang will. Der versprochene Sold wird mitunter nicht ehrlich gezahlt, obwohl der Fürstbischof dagegen eine Verordnung verfasst. 1672 lässt er selbst aber einen Beschwerdeführer erschießen. Wie 1666 in Coesfeld töten die Soldaten die betrügerischen Offiziere sogar oder desertieren. Seine Soldaten meutern auch gegen einen „Verkauf“ – z. B. in die Türkenkriege, wie 1674 in Borken, und desertieren zu Tausenden. Einen großen Soldatenaufstand gibt es 1666 auch in Coesfeld. Von Galen schickt gegen das „Auseinanderlaufen“ sogar berittene Einheiten mit.

Werber locken junge Männer durch Überredung und Trunk zum Kriegsdienst. Manche fliehen nach der ersten Löhnung wieder (Ausschnitt aus einem Kupferstich von J. Callot)

Eine eigene Abteilung stellen die Amtskompanien von Wehrpflichtigen dar. Diese Miliz von 16- bis 60jährigen wird zum Kriegsdienst gezwungen, hat eine eigene Uniform, eine vorgeschriebene Bewaffnung und soll an Sonntagnachmittagen „fleißig exerzieren“. Im Amt Horstmar, zu dem auch Coesfeld gehört, sind es gut 800 Wehrpflichtige. Auch hier sind Desertionen an der Tagesordnung. Von Galen greift gerne auf erfahrene Reservisten, sog. Wartschützen, zurück. Die Schützenbruderschaften sind dagegen selbstständig und nur innerhalb der Stadt zuständig.

Wie viele Tote und Verwundete es bei den Kriegseinsätzen gibt, ist kaum feststellbar. Damals wie heute über- oder untertreibt die jeweilige Propaganda gern. Man liest aber in seriösen Quellen immer wieder von mehreren hundert oder auch einigen tausend Toten. Darunter sind viele Sterbefälle durch Seuchen. Besonders schwer sind wohl die Münsteraner Verluste im Türkenkrieg 1664, bei Bourtange 1666 und vor Groningen 1672.
Von Galen soll sich durchaus um die Verwundeten, Kranken und Invaliden gekümmert haben. Bei ihm findet man sogar Ansätze einer Witwen- und Waisenversorgung. Die in der Coesfelder Citadelle verstorbenen Soldaten werden in einem Garten des Klosters Marienborn vor dem Süringtor beerdigt, weil sie keiner Pfarrei zugeordnet werden können.

Ein invalider ehemaliger Soldat, der bettelt (Ausstellung 2022, Emslandmuseum Lingen)