STATION 7
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Den ersten Angriffskrieg 1665 gegen die Niederlande bereitet von Galen diplomatisch schlecht vor, da er nur auf England setzt, das sich im Seekrieg mit seinem handelspolitischen Dauerrivalen befindet. Der Kaiser ist nicht auf seiner Seite. Von Galen verspricht gegen englische Hilfsgelder 20.000 Fußsoldaten und 10.000 Reiter. Doch deren Disziplin ist schlecht. Als sich die Franzosen in seinem Rücken nähern und die Brandenburger das Münsterland bedrohen, muss er schon 1666 einen ungünstigen Frieden schließen.
Der Überfall auf die Niederlande 1665
Kriegszüge Christoph Bernhard von Galens
Fürstbistum Münster
Grafschaft Bentheim
Der zweite Angriff 1672 ist mutwillig wie der erste, wird von Christoph Bernhard aber besser vorbereitet. Er verbündet sich mit dem aggressiven, republikfeindlichen französischen König und dem Kölner Kurfürsten. Die ersten Erfolge seiner wahrscheinlich 20.000 Mann starken Armee sind beeindruckend.
Doch trotz des heftigen Beschusses von Groningen mit glühenden Kugeln und „Stinkpötten“ bricht seine Belagerung durch Krankheiten, Fahnenflucht und Materialmangel zusammen. Der Rückzug ist eine Katastrophe, der Kampf um die wichtige Festung Coevorden geht zweimal verloren. In Borken bricht eine große Meuterei aus. 1674 ist von Galens Armee am Ende. Auch seine Verbündeten müssen gegen die tapferen Niederländer aufgeben.
Überfall auf die Niederlande 1672
Kriegszüge Christoph Bernhard von Galens
Fürstbistum Münster
Grafschaft Bentheim
Die Spannungen mit den Niederlanden liegen zum einen in der tiefen Abneigung von Galens gegen den Protestantismus begründet. Er bezeichnet die Niederländer, die sich seit 1579 auch „Holländer“ nennen, als „Türken des Nordens“. Gleichzeitig macht er Ansprüche auf Borculo geltend, die vom höchsten Reichsgericht bestätigt waren. Borculo ist nun aber Teil der 1648 unabhängig gewordenen Niederlande. Daneben wirft er dem neuen Staatenbund unredliche Verbindungen nach Münster und die gegen den Westfälischen Frieden verstoßende Drangsalierung der katholischen Minderheit in den alten Bistumsgebieten Münsters vor. Schwer nur kann er die niederländischen Katholiken schützen, die als Kollaborateure verdächtigt werden, und stellt auch den Adel gerne in seinen Dienst. Überhaupt sieht sich der Fürstbischof umringt von protestantischen Feinden.
Christoph Bernhard als Sieger über Groningen (W. Heimbach, Gemälde 1674, Groninger Museum)
Was schlecht bezahlte und unzureichend versorgte Soldaten in einem besetzten Land anrichten konnten, war aus dem Dreißigjährigen Krieg bekannt. Aber auch Kriege wie die von Galens zeigen dieses hässliche Gesicht, wie in vielen Abbildungen der damaligen Zeit dargestellt wird. Die münsterländischen Soldaten haben keinen guten Ruf. Sie plündern, richten sich in den Gebäuden ein, verursachen Schäden und großes Leid. Auch schleppen sie nicht selten Seuchen mit sich herum und aus Deserteuren und Meuterern bilden sich Banden. Die Landbevölkerung ist allem fast schutzlos ausgeliefert, die Städte versuchen, sich durch rechtzeitige Kapitulation vor dem Schlimmsten zu bewahren. Der Besatzer beschlagnahmt die Glocken und gebärdet sich als neuer Steuereintreiber, kümmert sich aber – anders als die heimischen Behörden – nicht um die Menschen.
Plünderung (Gemälde S. Vrancx 1620, Deutsches Historisches Museum Berlin)
Plünderung durch eine Reiterabteilung
(vor 1602 Gemälde von J. Savery, British Museum, London)
Soldaten rauben ein Dorf aus
(aus: H. Hamelmann, Oldenburgisches Chronicon 1599)